Friedrich Freiherr von Dalberg

* 17. Mai 1760 in Herrnsheim (heute zu Worms)
† 26. Juli 1812 in Aschaffenburg
Vollständiger Name: Johann Friedrich Hugo Freiherr von Dalberg

war Domkapitular zu Trier, Worms und Speyer. Er zeichnete sich sowohl als hervorragender Pianist wie auch als vielseitiger Komponist aus, insbesondere aber als Musikschriftsteller. Seine Eltern waren Franz Heinrich (1716-1776) und Maria Sophia von Dalberg, geb. von Eltz-Kempenich (1722-1763). Von den insgesamt 11 Kindern des Ehepaares starben sechs kurz nach der Geburt. Am Leben blieben drei Söhne und zwei Töchter.
Dalberg, ein altes und hochangesehenes Geschlecht, das seinen Ursprung von einem Römer, Gajus Marcellus, einem Verwandten von Christus, ableitete, ursprünglich Kämmerer von Worms genannt nach dem ihnen erbeignen Kämmereramt des Hochstifts Worms.
Heribert, Kämmerer von Worms, ward 990 Erzbischof von Köln, krönte 1002 Kaiser Heinrich II., starb 16. März 1021 und ward später kanonisiert. Bedeutend erhöht wurde die Macht des Geschlechts durch den Ritter Gerhard, Kämmerer von Worms, welcher 1318 durch seine Gemahlin Greta von Dalberg die bedeutenden Güter nebst dem Namen dieser alten Familie (von einer im kurpfälzischen Oberamt Kreuznach gelegenen Burg Dalberg oder Dalburg) an die seinige brachte, so daß fortan die Kämmerer von Worms, genannt Dalberg, mit Fürsten wetteifern konnten.
»Ist ein Dalberg da?« fragte seit Maximilian I. bei jeder deutschen Kaiserkrönung der Herold, worauf der anwesende Sprößling des Geschlechts vom Kaiser den ersten Ritterschlag erhielt, eine Ehre, die in alten den Habsburgern geleisteten Diensten ihren Ursprung haben soll. Den Freiherrentitel bekam das Geschlecht 1654. Viele Mitglieder der Familie bekleideten hohe weltliche und geistliche Würden. Stammsitz der Familie, deren Wappen sechs silberne Lilien und ein schwarzes Ankerkreuz zeigt, war bis ins 19. Jahrhundert hinein Schloss Herrnsheim bei Worms.
Wichtige Mitglieder der Familie zur Goethezeit:
• Carl Theodor Anton Maria, Reichsfreiherr von Dalberg, Kämmerer von Worms, letzter Kurfürst von Mainz und Kurerzkanzler, später Fürst-Primas des Rheinischen Bundes und Großherzog von Frankfurt, geb. 8. Febr. 1744 zu Mannheim als Sohn von Franz Heinrich v. Dalberg, kurfürstlich mainzischem Geheimrat und Statthalter von Worms, wurde für den geistlichen Stand erzogen, erlangte 1762 zu Heidelberg die Würde eines Doktors der Rechte und wurde 1768 Domkapitular zu Mainz, Domherr zu Würzburg und Worms, 1772 Wirklicher Geheimer Rat und Statthalter zu Erfurt.
• Wolfgang Heribert, Baron von Dalberg, Kämmerer von Worms, Bruder des vorigen, geb. 1749, ward Intendant des Mannheimer Theaters, dann seit 1803 badischer Staatsminister, erhob das Mannheimer Theater zu hoher Blüte. Bekannt ist er namentlich durch seinen Verkehr mit Schiller, dessen erste Dramen er zu Mannheim aufführen ließ, wobei er sich öfters kleinlich und engherzig zeigte. Er starb als badischer Staatsminister 28. Sept. 1806 in Mannheim. Er schrieb mehrere eigne und bearbeitete fremde, namentlich Shakespearesche, Dramen für die Aufführung. An ihn sind Schillers »Briefe an den Freiherrn v. Dalberg“ (Karlsr. 1819) gerichtet.
• Johann Friedrich Hugo, Freiherr von Dalberg, Bruder des vorigen. Anknüpfend an die alte Familientradition wurde er von seinem Vater bereits früh zum geistlichen Stand bestimmt. Eine körperliche Missbildung – er besaß einen Buckel – könnte diese Entscheidung begünstigt haben. Im Alter von acht Jahren, am 9. September 1768, fand Dalbergs Aufschwörung zum Domizellar am Domkapitel von Trier statt. Das Domizellariat in Speyer erwarb er am 18. Mai 1769, jenes in Worms am 18. April 1770. Ein von den Statuten gefordertes zweijähriges Studium an einer katholischen Universität absolvierte er in Erfurt, wo er vom 31. Oktober 1772 bis zum 31. Oktober 1774 (in facultate artium) immatrikuliert war. In Erfurt bewohnte er mit seinem Bruder Karl Theodor, seinerzeit kurmainzischer Statthalter des Mainzer Kurfürsten Friedrich Karl Freiherr von Erthal, dessen Amtssitz, die repräsentative Statthalterei. Am 3. Oktober 1776 wurde Dalberg in die Erfurter Akademie nützlicher Wissenschaften aufgenommen. Zwischen 1782 und 1799 verfasste er insgesamt drei Vorträge für die Akademie, die allesamt gedruckt erschienen. Nach Abschluss seiner Erfurter Studien nahm er ein weiteres Studium auf. Wie schon sein Bruder Wolfgang Heribert, belegte er im Frühjahr 1777 an der Universität Göttingen das Fach Jura. Während des vermutlich zweisemestrigen Aufenthaltes in Göttingen hörte er Vorlesungen des renommierten Juristen Johann Stephan Pütter (1725-1807), in dessen Privathaus er als gefeierter Klaviervirtuose auftrat. Dalbergs Frühschrift „Ariston oder über die Wirkung der peinlichen Strafgesezze'“ (Erfurt 1782) lässt den Einfluss dieser juristischen Studien erkennen.
Er hat eine ganze Reihe von Reisen unternommen. 1782 war er Gast eines von Herzog Karl Eugen von Württemberg (1728-1793) in Stuttgart veranstalteten Festes zu Ehren des russischen Großfürsten Paul. Von dort aus nutzte er die Gelegenheit zu einem Besuch bei dem Schriftsteller und Komponisten Christian Friedrich Daniel Schubart (1739-1791), den Karl Eugen auf dem Hohenasperg inhaftiert hielt. Im Sommer 1783 unternahm er zusammen mit seinem Bruder Wolfgang Heribert und dem kurtrierischen Minister Georg Michael Frank von La Roche (1720-1788) eine Reise in die Niederlande. La Roche war der Ehemann von Wielands Jugendliebe Marie Sophie von La Roche (1731-1807), der Mutter Maximiliane von La Roches und Großmutter Clemens Brentanos.
1786 war Dalberg in Düsseldorf Gast des mit Goethe befreundeten Philosophen Friedrich Heinrich Jacobi (1743-1819). Zwei Jahre später, von August 1788 bis Juli 1789, unternahm er zusammen mit Johann Gottfried Herder (1744-1803) und Sophie von Seckendorf (geb. Kalb), der Witwe des Komponisten und Diplomaten Carl Siegmund von Seckendorf, eine berühmt gewordene Reise nach Italien. Obgleich nun die Italienreise zu einem Eklat führte und mit der Trennung der Reisegruppe endete, blieb der intensive Gedankenaustausch mit Herder bestehen. Er umfasste philosophische, musikalische und politische Gegenstände. Die Freundschaft endete erst mit Herders Tod im Jahre 1803. Im Rahmen einer Reise in die Schweiz besuchte er u. a. Johann Caspar Lavater (1741-1801).

Von seinen wichtigsten Arbeiten sind zu nennen:

  • »Betrachtungen über die leidende Kraft des Menschen« (Erfurt 1786);
  • »Betrachtungen eines Tonkünstlers in die Musik der Geister« (Mannheim 1787);
  • »Vom Erkennen und Erfinden« (Frankfurt 1791);
  • »Untersuchungen über den Ursprung der Harmonie etc.« (Erfurt 1800);
  • »Über die Musik der Indier« (a. d. Engl. des William Jones, das. 1802)
Wie die Musikgeschichtsschreibung hervorhebt, war Dalberg der erste Musikschriftsteller, der der Tonkunst eine „noetische, kosmologische und metaphysische Idee im Sinne der Romantik“ (K. M. Komma) zugrundelegte. Dalberg’s ästhetisches Hauptwerk ist die 1791 anonym erschienene Schrift »Vom Erfinden und Bilden«. Dieses Werk steht ganz massiv unter dem Einfluß Herders. Es kann in seinem ersten Teil als musikalische Autobiographie, in seinem zweiten als musikästhetische Hermeneutik gelten.
Dalberg gehörte zu den faszinierendsten Gestalten der sogenannten ‚Goethezeit‘. Er verstarb am 26. Juli 1812 im Alter von 52 Jahren in seiner Aschaffenburger Stadtwohnung. Todesursache war vermutlich Wassersucht aufgrund von Herzinsuffizienz. Seine Beerdigung fand wohl ebenfalls in Aschaffenburg – und nicht in der Herrnsheimer Familiengruft – statt.
Das Grab ist nicht mehr vorhanden.

Quellenverzeichnis: • Wikipedia • Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon


Hörproben

Der Gewinn des Lebens - Herder - Dalberg(Duo >con emozione<)

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Romanze - Goethe - Dalberg(Duo >con emozione<)

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